Abschreibung und AfA II – Zugangsbewertung

Ein Vermögensgegenstand kann angeschafft oder selbst hergestellt werden. Schafft man ihn an entstehen Anschaffungskosten, stellt man ihn selbst her entstehen Herstellungskosten, welche nicht mit den im internen Rechnungswesen genutzten Begriff Herstellkosten verwechselt werden sollte.

HGB vs. EStG vs. IFRS vs. US-GAAP

Der Wirkungskreis des Unternehmens zählt: Beschränkt man seine Aktivitäten auf eine lokale Zielgruppe und erwirtschaftet nur geringe Gewinne braucht man nicht einmal das HGB (Handelsgesetzbuch) zu befolgen, also keine Bücher zu führen und demnach auch keinerlei Regeln bei der Buchführung zu befolgen.

Erreicht man eine Größe, die einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, müssen Bücher nach den Vorgaben des HGB geführt werden.

Oftmals ist man allein durch den Umstand, Bücher nach HGB führen zu müssen, auch an eine Buchführungspflicht nach EStG (Einkommensteuergesetz) gebunden.

Wächst man über nationale Grenzen hinaus, müssen grundsätzlich die Gesetze des jeweiligen Landes befolgt werden, was den Einsatz von etlichen Steuerberatern und -anwälten nötig macht. Möchte man bspw. in die USA expandieren, müssen die US GAAP (Generell akzeptierte Acounting Prinzipien der Vereinigten Staaten) befolgt werden, in Kanada die North American GAAP, in China die China GAAP usw.

Die IFRS (Internationale Finanz- und Reportstandards) schlagen Buchführungsstandards vor, die weltweit anerkannt werden könnten. Momentan ist die Buchführung nach IFRS freiwillig, da nationale Gesetze vorrangig sind. Immer mehr Länder gestatten allerdings eine Buchführung nach IFRS statt der Buchführung nach nationalem Gesetz, so dass die IFRS mittlerweile zum Standardlehrprogramm an deutschen Universitäten gehören und im Berufsbild vieler Stellenausschreibungen zu den voraussetzenden Kenntnissen gehören.

Zugangsbewertung

Nach § 253 HGB sind alle Vermögensgegenstände mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen (in die Bilanz aufzunehmen). Ebenso nach § 6 (1) EStG, IAS 16.15 und US GAAP.

Anschaffungskosten nach HGB

Aus der Handelskalkulation kennen wir das Schema zur Berechnung des Einstandspreises:

Handelskalkulation

Ein ähnliches Schema ist in § 255 (1) HGB zu finden:

Anschaffungskosten 3

Fallen weitere Anschaffungskosten an nachdem der Vermögensgegenstand aktiviert worden ist, können sie rückwirkend oder im Jahr der Entstehung die Anschaffungskosten erhöhen.

Vereinfacht ausgedrückt sind Anschaffungskosten nicht nur alle Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben, sondern ihn auch in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen.

Etwas ausführlicher dargestellt:

Anschaffungskosten 2

Geldbeschaffungskosten dürfen genauso wenig aktiviert werden wie die Vorsteuer.

Da Boni oftmals nicht dem angeschafften Vermögensgegenstand direkt zugeordnet werden können, würde es eher willkürlich wirken, sie zu aktivieren. Im Zweifelsfall sollte man sie als sonstigen betrieblichen Ertrag buchen.

Anschaffungskosten nach EStG

Nach Hinweis H 6.2 EStH gilt für das EStG der handelsrechtliche Begriff aus § 255 (1) HGB.

Nach Richtlinie R 6.2 EStR sind allerdings die Zahlungsmodalitäten zu berücksichtigen:

  • Einmalige Zahlung innerhalb eines Jahres
    • Aktiviert werden die Anschaffungskosten nach HGB.
  • Einmalige Zahlung erst nach einem Jahr (Unverzinsliche Schulden > 1 Jahr)
    • Aktiviert wird nach § 12 (3) BewG der mit 5,5 % diskontierte Nennbetrag der (Netto)Schulden.
  • Rentenzahlung (mit Zinsen) (zeitl. beschränkte wiederkehrende Leistung)
    • Aktiviert wird entweder der nach § 13 (1) BewG ermittelte Kapitalwert der Leistung oder der nach versicherungsmathematischen Grundsätzen ermittelte Barwert der Rente.
  • Ratenzahlung (ohne Zinsen)

Anschaffungskosten nach IAS / IFRS / US-GAAP

Grundlegend entsprechen die Anschaffungskosten etlicher GAAP und auch der IFRS den Anschaffungskosten nach EStG (siehe oben). Zu beachten sind allerdings folgende Unterschiede nach IAS 16.16-17, IAS 16.23-24 und IAS 37:

  • Die Methoden zur Berechnung des Barwertes variieren
  • Geldbeschaffungs-, zukünftige Abraum- und Rekultivierungskosten müssen aktiviert werden

Herstellungskosten nach HGB

Teile der Kosten, die bei der Herstellung eines Vermögensgegenstandes entstehen, müssen aktiviert werden, andere Teile können und andere Teile können nicht aktiviert werden. Falls ein Wahlrecht besteht, führt die Wahl-Aktivierung zu einem höheren Jahresüberschuss und die Pflicht-Aktivierung zu einem sofortigen Aufwand, also einem geringeren Jahresüberschuss:

Herstellungskosten Aktivierung

§ 255 (2) HGB regelt klar das Aktivierungsgebot, -verbot und -wahlrecht. Dabei taucht der Begriff Gemeinkosten mehrfach auf. Dabei geht es um die Zurechenbarkeit der Kosten auf den hergestellten Gegenstand. Einzelkosten lassen sich zweifelsfrei direkt dem hergestellten Gengenstand zurechnen, Gemeinkosten nicht. Folgende Tabelle fasst § 255 HGB hinsichtlich der Herstellungskosten unter Hinzunahme einiger Beispiele zusammen:

Herstellungskosten HGB

Herstellungskosten nach EStG

Nach Hinweis H 6.3 EStH entsprechen die Herstellungskosten nach EStG denen des HGB.

Allerdings lässt die Richtlinie R 6.3 EStR das handelsrechtliche Wahlrecht erlöschen und begrenzt das Aktivierungs-Wahlrecht ausschließlich auf die Fremdkapitalzinsen.

Herstellungskosten nach IAS / IFRS / US GAAP

Genau wie die Anschaffungskosten entsprechen die Herstellungskosten nach IFRS und US GAAP grundlegend denen des EStG mit folgenden Unterschieden:

  • Nicht-fertigungsbezogene Verwaltungsgemeinkosten dürfen nicht aktiviert werden
  • Geldbeschaffungs-, Entwicklungs-, Abraum- und Rekultivierungskosten müssen aktiviert werden

Insgesamt ergibt sich folgendes Bild:

Herstellungskosten HGB EStG IFRS US GAAP

 

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