Abschreibung und AfA – Grundlagen

Handelsrechtlich Abschreibung und steuerrechtlich Absetzung für Abnutzung (AfA) genannt kann dieses Thema viel Kopfzerbrechen bereiten. Geht man allerdings mit der richtigen Vorstellung ans Werk bleibt kein Abschreibungsproblem unlösbar und kein interessanter Aspekt der Abschreibung verborgen.

Abschreibung = Wertverlust

Abschreibung ist ein anderes Wort für Wertverlust. Hat bspw. ein guter Freund einen bestimmten  Wert, wird man ihn bei häufigem Fehlverhalten abschreiben. Unter betriebswirtschaftlicher Sicht ist mit Abschreibung allerdings nur der Wertverlust von Bilanzpositionen gemeint, so z. B. der Wertverlust von technischen Anlagen, Maschinen, Büroausstattung, Patenten, Aktien, Forderungen usw.

Gründe für Wertverlust

Genauso wie es unzählige Gründe dafür geben mag, einen Freund abzuschreiben, gibt es in der betriebswirtschaftlichen Praxis unzählige Gründe dafür, in der Bilanz aktiviertes Vermögen abzuschreiben:

  • Vermögen veraltet
  • Lizenzen und Patente laufen aus
  • Kurse von gehaltenen Aktien sinken
  • Abnutzbares Vermögen nutzt sich ab
  • Forderungen in Fremdwährung verlieren bei schlechten Wechselkursen an Wert
  • Forderungen werden uneinbringlich
  • Gekaufte Rohstoffe sind am Bilanzstichtag evtl. weniger wert
  • usw.

Buchen von Abschreibungen

Das Gewinn- und Verlustkonto (GuV) kann man sich vorstellen als Konto des Jahresüberschusses oder als Verzeichnis der Wertverbräuche (Aufwendungen) und Wertzuwächse (Erträge) innerhalb eines Geschäftsjahres. Daher werden Abschreibungen ( = Wertminderungen ) als Aufwand in der GuV gebucht. Abschreibungen sind erfolgswirksam und beeinflussen den Jahresüberschuss:

  • Abschreibung ↑ = Jahresüberschuss ↓ ( und umgekehrt )

Abschreibung Jahresüberschuss

Das Gegenkonto zur Abschreibung ist im Normalfall die entsprechende im Wert zu mindernde Vermögensposition auf der Aktiv-Seite der Bilanz. Durch eine Abschreibung wird die Bilanz(summe) verkürzt (Aktiv-Passiv-Minderung):

  • Aufwand f. Abschreibung AN Vermögen

Bilanzverkürzung durch AfA

Cashflow von Abschreibungen

Mit Aufwendungen für Abschreibungen sind keine tatsächlichen Zahlungen verbunden. Sie mindern zwar den Jahresüberschuss, allerdings nicht den Kassenbestand oder die Bankguthaben. Man kauft bspw. eine Maschine, bezahlt und aktiviert sie. Die Zahlung aus vorhandenen Beständen führt zu einem Aktivtausch, die Bezahlung aus der Aufnahme zusätzlichen Kapitals zu einer Bilanzverlängerung (Aktiv-Passiv-Mehrung):

Aktivierung zur Abschreibung

Das Kaufen und Bezahlen von Vermögen darf den Jahresüberschuss jedoch nicht mindern, weil keine Wertminderung stattfindet. Man hat lediglich einen vorhandenen Wert transformiert: Der Wert hatte zunächst die Form eines elektronischen Bankguthabens oder physikalischer Münzen und Scheine bevor derselbe Wert die Form einer nützlichen Maschine angenommen hat. Erst der Ge- oder Verbrauch der Maschine macht eine gewinnmindernde Abschreibung möglich.

Gründe für erhöhte Abschreibungen

Möglichst viele Abschreibungen vorzunehmen bedeutet den Jahresüberschuss möglichst gering ausfallen zu lassen. Dies kann mehrere Gründe haben. Bedeutsam sind folgende:

  • Der Jahresüberschuss ist Ausgangspunkt zur Berechnung der Einkommen- und Unternehmenssteuern. Je kleiner der Jahresüberschuss, desto geringer die Grundlage zur Bemessung der Steuerschuld (Bemessungsgrundlage).
  • Der Jahresüberschuss ist auch Bemessungsgrundlage für Dividenden und sonstige Gewinnausschüttungen an Eigenkapitalgeber. Je geringer der Jahresüberschuss, desto weniger muss ausgeschüttet und desto mehr kann bspw. investiert werden.
  • Durch die mit der Abschreibung einhergehende Bilanzverkürzung kann Mitbewerbern suggeriert werden, man sei unvermögend. So lockt man sie aus der Reserve, um sie besser einschätzen zu können oder sie zu einem späteren Zeitpunkt vom Markt zu verdrängen.

Spielräume der Abschreibung

Die Höhe der Abschreibung hängt ab von nur zwei Ereignissen:

  1. Zugangsbewertung
    Die Ermittlung eines €-Betrags, mit dem ein neuer Vermögensgegenstand in die Bilanz aufgenommen (aktiviert) wird.
  2. Folgebewertung
    Die Ermittlung eines €-Betrags, mit dem der Restwert eines schon gebrauchten Vermögensgegenstandes in der Bilanz ausgewiesen wird.

Zu beiden Anlässen sind sowohl handels- als auch steuerrechtliche Vorschriften einzuhalten, so dass die Ermessensspielräume bei der Bewertung von neuem und alten Vermögen recht klein ausfallen.

Abschreibung, Kalkulatorische Abschreibung & AfA

Abschreibung ist der Begriff für jedermann. Egal welche Art von Abschreibung man meint, recht ungenau würde man alle Arten als Abschreibung bezeichnen.

Betriebswirtschaftlich müssen unterschieden werden:

  • Abschreibung nach HGB = Abschreibung
  • Abschreibung nach EStG/GewStG/KStG = AfA
  • Abschreibung nach internen Maßstäben = Kalkulatorische Abschreibung

AfA bedeutet Absetzung für Abnutzung: Erkennt das Finanzamt einen Aufwand als gewinnmindernd an, sagt man der Aufwand wird von der Steuer abgesetzt (abgezogen) oder etwas genauer wird er von der Bemessungsgrundlage für die Steuer abgesetzt, also als legitime Minderung des Jahresüberschusses anerkannt. AfA meint somit den von den Steuern absetzbaren Betrag der Wertminderung des Vermögens durch Abnutzung.

Wichtig zu verstehen ist, dass die verschiedenen Gesetzestexte unterschiedliche Berechnungen bei der Zugangs- und Folgebewertung vorschreiben bzw. zur Wahl stellen, währen sich die interne Bewertung an den Bedürfnissen des Unternehmens orientieren.

Das kommt daher, dass mit dem Handelsgesetz, Steuergesetz und internen Methoden unterschiedliche Interessen verfolgt werden.

  • Eine nach HGB erstellte Bilanz (Handelsbilanz) dient der Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger, also zum Präsentieren einer nach gesetzlichen Vorschriften normierten Bilanz.
  • Eine nach EStG erstellte Bilanz (ESt-Bilanz) dient der Erstellung einer GewSt- und KSt-Bilanz, auf deren Grundlage man die Steuerzahllast eines Unternehmens und einer natürlichen Person berechnet.
  • Eine nach internen Methoden aufgestellte Bilanz (interne Bilanz), insbesondere die kalkulatorische GuV, dient der Berechnung von Preisen für die eigenen Produkte und natürlich auch zur Steuerung und Kontrolle des Unternehmens.

Bilanzarten Bilanzanpassung


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