Goodwill beim entgeltlichen Erwerb

Published on: 1. Juni 2015

Filled Under: Blog für Controller

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Egal, was man sich kauft, der Unterschied zwischen Wert und Preis sollte immer klar sein. So verhält es sich auch bei der Übernahme eines Unternehmens: Das übernommene Unternehmen hat einen Wert und einen Preis. Den Unterschied zwischen Wert und Preis nennen wir Bad- oder Goodwill:

  • Im Normalfall (usual buy) liegt der Preis über dem Wert, der Unterschiedsbetrag heißt dann Goodwill, derivativer Firmenwert oder entgeltlich erworbener Geschäfts- oder Firmenwert.
  • Im günstigen Fall (lucky buy) liegt der Preis unter dem Wert, der Unterschiedsbetrag heißt nun Badwill, negative Ertragsaussicht und für den Fall, dass sich der Wert bis zum Bilanzstichtag nicht noch verschlechtert, realisierter Gewinn.

Ablauf der Übernahme

  1. Neubewertung des übernommenen Vermögens und der übernommenen Schulden
  2. Aktivierung / Passivierung des Vermögens / der Schulden zu Zeitwerten
  3. Aktivierung / Passivierung des Goodwills / Badwills

Berechnung des Goodwills / Badwills

Der Wert des Unternehmens besteht aus dem Vermögen zu Zeitwerten abzüglich der Schulden zu Zeitwerten. Wir wissen: Vermögen – Schulden = Eigenkapital. Statt Eigenkapital zu Zeitwerten sagt man allerdings Substanzwert. Der Goodwill bzw. Badwill wird dann berechnet mittels

Goodwill Badwill

Goodwill Badwill 2

Zugangs- und Folgebewertung der Übernahme

Das erworbene Vermögen und die erworbenen Schulden werden einfach zum Zeitwert im Zeitpunkt der Übernahme mit in die eigene Bilanz aufgenommen.

Ein Goodwill muss per § 246 (1) HGB i. V. m. § 266 (2) HGB als abnutzbarer, immaterieller Vermögensgegenstand im Anlagevermögen aktiviert und abgeschrieben werden. Per § 285 Nr. 13 HGB ist regelmäßig von einer Nutzungsdauer von 5 Jahren auszugehen, eine höhere Nutzungsdauer ist zu rechtfertigen. Steuerrechtlich gilt nach § 7 (1) 3. EStG eine Nutzungsdauer von 15 Jahren.

Ein Badwill wird per § 301 (3) HGB als „Unterschiedsbetrag aus der Kapitalkonsolidierung“ passiviert.

Abgrenzung zum Marktwert des Eigenkapitals

Der Substanzwert darf nicht mit dem Marktwert des Eigenkapitals verwechselt werden: Der Substanzwert ist der Wert des neu bewerteten Eigenkapitals zu einem bestimmten Zeitpunkt, nämlich zum Zeitpunkt der Übernahme. Der Marktwert des Eigenkapitals berücksichtigt darüber hinaus auch zukünftige Entwicklungen bzw. Erwartungen:

  • gute Erwartungen → Marktwert EK > Zeitwert EK (Substanzwert)
  • schlechte Erwartungen → Marktwert EK < Zeitwert EK (Substanzwert)

Den Unterschied zwischen Marktwert und Zeitwert des Eigenkapitals bezeichnet man als originären Firmenwert, der handelsrechtlich als selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstand nach § 248 (2) HGB aktiviert werden kann sofern er die Vermögensgegenstandskriterien erfüllt und steuerrechtlich nach § 5 (2) EStG nicht aktiviert werden darf.

Originärer Derivativer Firmenwert

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